Seerechtsstiftung

ISSR am EU-Forschungsprojekt OceanNETs beteiligt

Freitag, 11. September 2020

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Über Prof. Proelß ist das Institut für Seerecht und Seehandelsrecht am Forschungsprojekt Ocean NETs beteiligt. Dieses Projekt, das seit dem 1. Juli 2020 läuft, wird von der EU im Rahmen des Horizon 2020-Programms mit insgesamt 7,2 Millionen Euro gefördert. Die Gesamtkoordination liegt beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Im Jahr 2015 einigte sich die internationale Gemeinschaft in Paris darauf, die globale Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad oder weniger zu begrenzen. Im Jahr 2018 veröffentlichte der Weltklimarat (IPCC) einen Sonderbericht, der deutliche Vorteile bei der Begrenzung der globalen Erwärmung auf nur 1,5 Grad aufzeigt: weniger Verlust an Biodiversität, weniger Wetterextreme, geringerer Meeresspiegelanstieg, um nur einige Beispiele zu nennen. Vom IPCC verwendete Modellrechnungen zeigen auch, dass dieses 1,5-Grad-Ziel noch erreichbar ist. Fast alle Simulationen benötigen dafür aber sog. negative Emissionen. Neben den dringend notwendigen Emissionsreduktionen treten daher Technologien und naturnahe Lösungen, die Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entfernen, in den Vordergrund des wissenschaftlichen Interesses. Sie werden als Negative Emissions Technologies (NETs) bezeichnet.

OceanNETs wird Potenziale und Risiken verschiedener ozeanbasierter NETs auf Grundlage eines transdisziplinären Ansatzes erforschen. Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, ob ozeanbasierte NETs eine wesentliche und nachhaltige Rolle bei der Erreichung von Klimaneutralität im Sinne des Pariser Klimaabkommens spielen können.

Das von Prof. Proelß geleitete rechtswissenschaftliche Teilprojekt untersucht die Vereinbarkeit des Einsatzes von ozeanbasierten NETs mit den Vorgaben des Seevölkerrechts. Angesichts der Tatsache, dass NETs im Ozean zumindest teilweise nicht direkt von Staaten, sondern von Forschungskonsortien und privaten Unternehmen eingesetzt werden, wird u.a. analysiert, ob das Seevölkerrecht – direkt oder indirekt – auch das Verhalten privater Akteure regelt. Das Projekt wird sich ferner mit möglichen Modellen für die künftige Regulierung ozeanischer NETs befassen. Dies wird eine Prüfung der im Jahre 2013 erfolgten Änderung des Protokolls von 1996 zum Übereinkommen über die Verhütung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abfällen und anderen Stoffen (sog. London Protocol), die Regulierung von sog. marinem Geoengineering betreffend, beinhalten. Schließlich wird den Überlagerungen und Wechselbeziehungen von Seevölkerrecht und Klimaschutzrecht Aufmerksamkeit geschenkt.

Eine Beschreibung des Ocean NETs-Projekts ist auf der Homepage der EU-Kommission unter diesem Link verfügbar.