Seerechtsstiftung

„Hamburg ist für meine Arbeit der ideale Standort!“

Freitag, 19. Oktober 2018

Der neue Co-Direktor des ISSR und Professor an der Hamburger Fakultät, Prof. Dr. Alexander Proelß, im Kurzinterview. Was Hamburg für ihn zum idealen Standort macht und wie er die Ziele seiner neuen Aufgaben definiert, lesen Sie hier.

Seit dem 1. Oktober 2018 hat Professor Dr. Alexander Proelß den Lehrstuhl für internationales Seerecht und Umweltrecht, Völkerrecht und Öffentliches Recht an der Hamburger Fakultät für Rechtswissenschaft inne. Er wird das Institut für Seerecht und Seehandelsrecht künftig als Co-Direktor personell verstärken. Proelß war von August 2007 bis August 2010 Professor für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Seerecht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sodann von Oktober 2010 bis September 2018 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, insbesondere Völkerrecht und Europarecht, an der Universität Trier. Dort war er überdies Direktor des Instituts für Umwelt- und Technikrecht (IUTR) und des Instituts für Rechtspolitik (IRP). Einen Ruf an die Universität Bremen lehnte er im Juli 2015 ab. Proelß forscht vor allem auf den Gebieten des internationalen See- und Umweltrechts. Er ist an zahlreichen nationalen wie internationalen (sowohl fachspezifischen als auch interdisziplinären) Forschungsprojekten beteiligt.

Sind Sie schon gut in Hamburg angekommen?

Ja, wir – meine Frau, unsere beiden Kinder und ich – sind bereits im August zurück in den Norden gezogen. Ich bin gebürtiger Norddeutscher und war in der Vergangenheit u.a. an der Universität Kiel tätig; von daher bedeutet der Wechsel an die Universität Hamburg eine Rückkehr in meine Heimat – ein schönes Gefühl!

Welche wissenschaftlichen Schwerpunkte haben Sie sich für Hamburg vorgenommen?

Im Vordergrund meiner Tätigkeit an der Universität Hamburg werden ganz das See- und Umweltvölkerrecht stehen. Beide Gebiete hängen eng miteinander zusammen, man denke nur an den Umgang mit den lebenden Ressourcen des Meeres und die aktuelle Diskussion um den Schutz der Biodiversität der Hohen See. Aufgrund des starken maritimen Profils des Landes sowie der großen Erfolge, die die Universität Hamburg im Rahmen der Exzellenzinitiative – gerade auch im Kontext der interdisziplinären Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Klimaforschung – erzielt hat, ist Hamburg für meine Arbeiten der ideale Standort. Mein Ziel ist es, sowohl mit der Rechtspraxis vor Ort als auch anderen Hamburger Forschungseinheiten enge Kooperationen aufzubauen bzw. bestehende Kontakte zu intensivieren.

Wird es eine „Zusammenarbeit“ mit dem Internationalen Seegerichtshof geben?

Das hoffe ich sehr. Von bestehenden Forschungskontakten zu einzelnen Richterinnen und Richtern abgesehen, unterrichte ich seit vielen Jahren im Rahmen der Sommerschule der International Foundation for the Law of the Sea (IFLOS), die jährlich am Internationalen Seegerichtshof stattfindet. Ich werde mich im Rahmen der IFLOS künftig noch stärker engagieren – ein idealer Anknüpfungspunkt für eine Vertiefung der bereits bestehenden Kontakte.

Ist das Ausbildungsangebot zum Seerecht in Deutschland und speziell in Hamburg sachgerecht aufgestellt?

In Hamburg ist dies unzweifelhaft der Fall. Sieht man von den Standorten Kiel und Bremen ab, wo ebenfalls zu seerechtlichen Fragen geforscht und gelehrt wird, ab, wird dem Seerecht in der juristischen Ausbildung in Deutschland, gerade auch im Vergleich zur Situation in anderen Staaten, m.E. aber nicht die ihm eigentlich gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Immerhin spielen maritime Fragen, gerade solche mit Handels- und Transportbezügen, im Rahmen der Globalisierung eine ganz zentrale Rolle. Und das Seevölkerrecht ist nicht nur eine der ältesten und wirkmächtigsten Teilrechtsordnungen des Völkerrechts, sondern vor dem Hintergrund des Klimawandels, sicherheitspolitischer und umweltschutzrechtlicher Herausforderungen sowie einer Vielzahl von Gebiets- und Ressourcenstreitigkeiten durch sehr hohe Praxisrelevanz gekennzeichnet.

Sollte die internationale Kooperation im Bereich der Seerechtswissenschaft stärker entwickelt werden und wie kann dies ggfs. geschehen?

Angesichts des Umstands, dass Seerecht – sei es das Seehandelsrecht, sei es das Seevölkerrecht – zwangsläufig durch internationale Entwicklungen angestoßen oder, wie im Falle des Seevölkerrechts, seiner Natur nach internationales Recht ist, ist internationale Kooperation m.E. unabdingbar. Ihrer Intensivierung möchte ich in den kommenden Monaten und Jahren besonderes Gewicht beimessen. Dabei werden mir meine bestehenden Kontakte, die ich im Zusammenhang mit mehreren großen Forschungsprojekten, insbesondere der Herausgeberschaft des 2017 erschienenen Großkommentars zum UN-Seerechtsübereinkommen, begründet habe, eine wertvolle Hilfe sein.